Moschusschildkröten

Sternotherus odoratus - Kinosternon odoratum

Es ist eine klein bleibende Schildkrötenart, die selten größer als 12cm wird. Man kann ihr bereits in einem mittelgroßen Aquarium einen interessanten und naturnahen Lebensraum einrichten. Eine aufwändige Beleuchtung ist nicht erforderlich, da sie sich fast nie sonnen. Lediglich meine Weibchen lassen sich manchmal im Flachwasser von einem Halogenspot erwärmen.
Als scheu kann man sie nicht bezeichnen. Sie sind eher verfressen. Auf ihrem Speiseplan steht fast nur tierisches. Pflanzen ignorieren sie. Deshalb müssen Aquarien mit Moschusschildkröten nicht kahl bleiben und können schön bepflanzt werden.

Moschusschildkröten jagen keine Beute. Man kann sie oft dabei beobachten, wie sie auf der Suche nach Fressbarem am Grund des Aquariums herumlaufen. Dabei haben sie ihre Nase dicht am Boden. Sie sind sogar in der Lage die Spur einer "flüchtenden" Schnecke zu verfolgen. Fische werden von ihnen selten beachtet. Da sie keine Jäger sind können die Fische eigentlich jeder ihrer seltenen Attacken entkommen. Aufgrund dieser Lebensweise müssen sie nicht schnell schwimmen. Obwohl oft das Gegenteil zu lesen ist sind sie gute Schwimmer, langsam, aber dafür wendig. Selbst bei größeren Wassertiefen haben sie keine Probleme, auch wenn kein Aufstieg vorhanden ist.

Moschusschildkröten haben ihre Hauptaktivitätszeit am Morgen und am Abend. Also genau zu der Zeit in der man sie als Berufstätiger beobachten kann.

Ihren Namen haben sie von dem moschusartigen Geruch, welchen sie bei Gefahr verströmen. Wenn man mit der Nase nah rangeht kann man ihn riechen. Man sollte ihrem Maul weder mit der Nase noch sonst wie zu nahe kommen, da dieses am Ende eines langen und beweglichen Hals sitzt. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, daß sie sehr fest und schmerzhaft zubeißen können. Da sie sich aber nur durch Beißen und Moschusgeruch wehren wenn man sie festhält, es aber nur selten einen Grund gibt sie in die Hand zu nehmen, gibt es eigentlich nur gute Gründe, die für die Haltung dieser netten und klein bleibenden Schildkröte sprechen.
 
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Beim Bezug des neuen Beckens war dieses ohne ausreichende Bepflanzung und Versteckmöglichkeiten.
Ein Tier hatte anfangs leichte Probleme mit dem tiefen Wasser. Wenn Schildkröten zum ersten Mal in tiefes Wasser kommen müssen sie mindestens bis zum ersten Luftholen beobachtet werden. Es besteht die Möglichkeit, daß sie ertrinken.
Nach der Eingewöhnungszeit ist das tiefe Wasser, völlig ohne Aufstiegsmöglichkeit, kein Problem für Moschusschildkröten. Sie können, wie die meisten anderen Wasserschildkrötenarten auch, schwerelos im Wasser schweben. Beim Luftholen wird gerne die vorhandene Deckung genutzt.
 
       
Nach dem Bepflanzen hatten die Tiere beste Versteckmöglichkeiten, von denen sie auch ausgiebig Gebrauch machen. Es kann vorkommen, daß man einzelne Tiere mehrerer Tage nicht sieht. Die Pflanzen werden von den Schildkröten in Ruhe gelassen. Da Moschusschildkröten nicht zu den schnellen Schwimmern gehören, wird die Vegetation auch nicht zerstört. Die Wurzeln müssen aber durch größere Steine geschützt werden, da der Wurzelbereich gerne als Versteck genutzt wird und dabei die Pflanzen ausgegraben werden. Die Steine sollten mindestens halb so groß wie die Schildkröten sein.
Bepflanzt ist das Aquarium mit Wasserpest und Hornkraut. Letzteres ist allerdings nicht im Bodengrund verankert. Es wächst frei im Wasser. An der Oberfläche wuchert die Muschelblume.
 
       
Einen Großteil des Tages verbringen Moschusschildkröten in ihren Unterschlüpfen. Ein Unterschlupf bei dem der Rücken Kontakt zu Decke hat wird bevorzugt. In diesem Becken sind 10x20cm große Rindenstücke eines Laubbaumes, welche schon einige Jahre im Gartenteich gelegen haben. Die Tiere vergraben sich unter diesen Rindenstücken. Alle 30-60 Minuten tauchen sie zum Luftholen auf. Dabei nehmen sie nicht den direkten Weg zur Oberfläche, sonder sie machen einen kleinen Streifzug durch ihr Revier. Zurück in den Unterschlupf geht es über eine an der Route. Manchmal nehmen bei jedem Auftauchen den gleichen Weg.
 
       
Schildkrötenpudding, Regenwürmer, Schlammschnecken, Nacktschnecken, Stinte und vieles mehr wird gerne gefressen. Wenn das Futter sandig ist wenden sie die gleiche Technik an wie bei Regenwürmern. Um den Sand zu entfernen wird er seitlich aus dem Maul heraus geblasen. Kalk, z.B. in Form von Sepiaschalen ist, wie bei allen Schildkröten wichtig zur gesunden Ernährung.
Geschlafen wird oft im flachen Wasser auf den Balkonen. Die Nase wird dabei aus dem Wasser gestreckt.
 
       
Nach der Winterruhe beginnen sofort die Paarungen.
Danach sollten die Geschlechter wieder getrennt werden, da die Männchen die Weibchen nicht in Ruhe lassen und es zu heftigen Beißereien kommen kann. Dabei können sich die Tiere ernsthaft gegenseitig verletzen. Manche Weibchen sind in ihrem Wesen unverträglich und müssen ebenfalls einzeln gehalten werden.
2-3 Wochen später werden die Weibchen unruhiger. Nach einer Probegrabung erfolgt dann meist nachts die Eiablage. Die Tiere graben sich völlig ein, so daß nur noch der Kopf herausschaut. Die Eier liegen in einer Tiefe von 8-10cm. Sie müssen sofort ausgegraben werden, da sonst das andere Weibchen die vorhandenen Eier beim vergraben ihrer Eier beschädigt oder dreht. Die Tiere legen mehrfach hintereinander, etwa alle 2 Wochen, Eier.
Befruchtete Eier erkennt man gut an dem weißen Ring. Dieser Ring entsteht nach etwa einem Tag. Spätestens dann dürfen die Eier nicht mehr gedreht werden. Im Gegensatz zu Vogeleiern ist bei Schildkröteneiern der Dotter nicht drehbar aufgehängt. Wenn nun das Ei gedreht wird, wird der Embryo, der normalerweise auf dem Dotter liegt, durch diesen erdrückt. In der oberen Reihe sind das zweite, das vierte und das siebte Ei unbefruchtet. Die Eier rechts sind schon älter. Der weiße Ring ist bei ihnen schon breiter geworden. Später ist das ganze Ei weiß. Manche Eier bekommen ein paar Wochen vor dem Schlupf bereits einen Riß aus dem etwas Eiweiß austritt. Das scheint normal bei Moschusschildkröten zu sein. Es hat bisher auch noch keinem Tier geschadet. Die Eier werden in einem Inkubator, bei einer Temperatur von 27-28°C erbrütet. Um bereits den Kleinen in den Eiern den Tagesrhythmus anzugewöhnen und sie abzuhärten, wird nachts die Temperatur im Inkubator auf etwa 23-25°C abgesenkt. Der Schlupf erfolgt nach 70-80 Tagen.
 
       
Der Nachwuchs ist in einem eigenen Aquarium, mit drei verschiedenen Wassertiefen (5, 10, 20cm), untergebracht. Die Tiere können sich also die bevorzugte Wassertiefe heraussuchen. Anders als erwartet sind einige bereits gleich nach dem Schlupf in der tiefsten Stelle abgetaucht. Spätestens am zweiten Tag nach dem Schlupf waren alle im tiefen Wasser und keine hatte auch nur ansatzweise Probleme damit. Die flachen Bereiche werden trotzdem gerne aufgesucht. Vor allem nachts zum Schlafen, aber nur wenn ausreichend Deckung vorhanden ist.
Nach den ersten Wochen bekommen sie das gleiche Futter wie die erwachsenen Tiere. Man traut es ihnen kaum zu, aber ein Moschusbaby kann eine Wasserschnecke knacken oder einen Regenwurm fressen, der mehrfach so lang ist wie es selbst. Das erinnert aber dann schon an den Kampf der Giganten en Miniature.
Selbst Moschusschildkrötenbabys sind gute, wenn auch keine schnellen Schwimmer. Auf den letzten Bild sieht man schön wie die Schwimmhäute des linken Vorderfußes und des rechten Hinterfußes für den Vortrieb ausgebreitet sind, während der rechte Vorderfuß beim Rückzug ganz zusammen gezogen ist.
 
       
Als Resteverwerter und Putzkolonne bewohnen etliche Guppies, Antennenwelse (Ancistrus dolichopterus) und Metallpanzerwelse (Corydoras aeneus) das Becken. Um der unglaublichen Vermehrung der Guppies entgegenzusteuern sind noch sechs Blutsalmler (Hyphessobrycon serpae) im Becken.
Die Fische haben keine Scheu vor den Schildkröten. Ab und zu fehlt ein Guppy. Nachdem von beiden Welsarten mal gekostet wurde, werden Antennenwelse nicht mehr beachtet, während den Panzerwelsen manchmal interessiert nachgeschaut wird. Wenn die Schildkröte frißt schwimmen die Antennenwelse unter ihr herum und versuchen auch etwas abzubekommen. Sie schwimmen nicht einmal weg, wenn die Schildkröte auf ihnen steht. Antennenwelse und Metallpanzerwelse nehmen im ökosystem Aquarium unterschiedliche Nischen ein. Antennenwelse raspeln alle Oberflächen ab, während die Panzerwelse ausschließlich den Sand nach Nahrung durchwühlen. Beide ergänzen sich in der Putzkolonne und kommen sich nicht ins Gehege.
 
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